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2005 – Das Machdeburjer Wörterbuch

In Gegensatz zu anderen deutschen Städten, die ihre Mundart heute noch pflegen und hochhalten, ist in Magdeburg die ursprüngliche Volkssprache weitgehend in Vergessenheit geraten. Durch die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gingen nicht nur die historischen Gebäude verloren, sondern auch die gewachsenen sozialen Strukturen. Die alten Quartiere in der Altstadt zwischen dem Elbestrom und dem Breiten Weg waren zerstört worden und damit auch ihre Sprache. Aus den verschiedensten Regionen Deutschlands zogen Menschen nach Magdeburg und brachten ihre Sprache bzw. Soziolekte mit. Das kleine Büchlein „Das Machdeburjer Wörterbuch“ von Ursula Föllner hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein kleines Stück Magdeburger Alltagskultur in das Bewusstein der Magdeburger(innen) und der Zugereisten zurückzubringen. Allerdings ist der Titel etwas irreführend, denn es handelt sich nicht um ein Wörterbuch im eigentlichen Sinne, sondern um eine kurze praktische Sammlung mundartlicher Wendungen. In 14 Kapiteln werden, nach Sachgebieten geordnet, Inhalte und Begriffe abgehandelt, die besonders typisch bzw. prägnant für das „Machdeburjisch“ sind. Gelungen ist die Zusammenstellung kulinarischer Besonderheiten, da die Essgewohnheiten sicher am stärksten traditionell verhaftet sind. Etwas weit hergeholt ist hingegen Kapitel 8 „Plättbolzen und Käseglocke“. Sind hier doch Bezeichnungen für Gebäude versammelt, die nicht zwingend „machdeburjisch“ sind, z.B. das „Stadt Prag“ bzw. die „Weinarkade“, sondern deren Name von den in ihnen residierenden Lokalitäten übernommen wurde. Aufgelockert wird das Büchlein auch durch die kleinen Anekdoten, die zwischendurch immer wieder eingestreut sind. Hilfreich ist das alphabetisch sortierte Wörterverzeichnis im Anhang des Buches, das  ein schnelles Auffinden bekannter und gesuchter Wörter erleichtert. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis regt den interessierten Leser an, sich eingehender mit der Magdeburger Mundart oder der Deutung des Namens „Magdeburg“ zu beschäftigen. „Das Machdeburjer Wörterbuch“ ist sicher eine - nicht nur für Alteingessene, sondern auch für Neu-Magdeburger - spannende Lektüre, die Einblicke in das sprachliche Selbstbewusstsein einer Stadt gibt. Horst Kötz