Bitte aktivieren Sie die JavaScript-Unterstützung in Ihrem Browser.

2004 – Georg Philipp Telemann

Opernkomponist, Kirchenmusiker, Klangmaler, Musikverleger, Dirigent und engagierter Förderer der Musik

Die Hamburger Biographie des Magdeburgers Georg Philipp Telemann

„Aber immer wieder, das sollten die heutigen Hamburger wissen, stoßen wir auf einzelne Personen, die einen dringenden Bedarf ihrer Stadt erkannt und sodann als Bürger die Initiative ergriffen haben. Das gilt gleichermaßen für die Kunst, für die Musik, für das Theater, für die Schulen und für die Wissenschaften“  schreibt kein geringerer als der Hamburger und Altbundeskanzler Helmut Schmidt im Vorwort der Telemann-Biografie von Eckart Kleßmann. Georg Philipp Telemann war genau so ein Bürger, ein Weltbürger – der das Bedürfnis der Hamburger nach einer neuen, modernen Musik bediente, in dem er sich bediente in den Klangtöpfen vieler europäischer Kulturen, neue Instrumente mit Vertrautem zusammen führte und sein untrügliches Gespür für Musik mit seinem heiteren Wesen verband. All das wird kenntnisreich und vergnüglich aufbereitet. Die chronologisch erzählte, unterhaltsame Reise in die Zeit zwischen 1680 und 1767 berührt alle Lebensstationen Telemanns, verweilt jedoch besonders detailliert bei Telemanns Hamburger Jahren, die 1718 beginnen. Bis an sein Lebensende, 46 Jahre sind es insgesamt, stellt Telemann sein musikalisches Können in den Dienst der Hansestadt. Diese Jahre sind  mit einem umfangreichen kompositorischen und musikfördernden Schaffen verknüpft.   Biographisches verbindet sich mit einem interessant dargestellten, musikgeschichtlichen Kontext, so über die fundierte Einordnung der Werke mit konkrete Werkangaben für den Musikkenner ohne jedoch ein musikwissenschaftliches Werk zu sein. Das literarische Portrait  verknüpft sich mit Dokumentarischem. Der Autor begibt sich auf eine kulturgeschichtliche Wanderschaft in die barocke Hansestadt Hamburg. Obgleich Magdeburg der „...Ort seiner beglückten Geburt“ war, schmeicheln doch Telemanns musikalische Anfänge seiner Vaterstadtstadt nicht. Natürlich darf die Geschichte vom Murmeltierführer nicht fehlen. Magdeburgs Musikfreunde kennen sie. Telemann berichtet bereits in seiner ersten Autobiographie davon. Seine frühen kompositorischen Anstrengungen riefen die besorgten Verwandten auf den Plan, die seine Mutter warnten, ihr Sohn “... würde ein Gauckler, Seiltänzer, Spielmann, Murmeltierführer etc. werden, wenn ...(ihm)... die Musik nicht entzogen würde.“  Nun trotz aller mütterlicher Vorsicht, ein Murmeltierführer wurde er nicht, aber wohl der berühmteste Komponist seiner Zeit. Seine Noten wurden in Berlin, Frankfurt a. Main, Jena, Leipzig, Nürnberg, Amsterdam, Paris und London verkauft. Eckart Kleßmann schildert die musikalischen Stationen bis zum Antritt in das Hamburger Amt als Kantor der großen Hamburger Altstadtkirchen.  Bereits in den ersten Kapiteln wird die  Vielseitigkeit Telemanns aufgezeigt, breitet sich seine Frankfurter Zeit von 1715 bis 1718 vor dem Leser aus. Man erfährt etwas über Reisen und Anstellungsverhältnisse, über den Stand eines Musikus zu dieser Zeit, zu Freundschaften und musikalischen Vorlieben, zu Förderern und  Animositäten sowie zu der Telemann immer auszeichnenden Eigeninitiative. Dann in Hamburg kann er seine umfangreichen Talente ausspielen. Trotz der Knauserigkeit der „Hamburger Pfeffersäcke“ sind doch die Bürger aller Schichten musikbegeistert. So schildert das Buch sehr bildhaft politische Verhältnisse und das Kulturleben Hamburgs, zeigt Telemann als PR-Mann in Sachen Musik, seine Begabungen als Kupferstecher und Verleger seiner Noten sowie als Textbuchautor für seine Oratorien, Passionsmusiken und Opern. Kleßmann hat sehr überzeugend Telemanns Leistungen für Hamburg herausgearbeitet. Er belebte nicht nur das Collegium musicum bei seinen Winterkonzerten neu sondern eine große Bandbreite Hamburger Kulturtraditionen. Mit der Vielfalt seiner Kammermusiken trug Telemann zur Popularisierung der Hausmusik bei. Da er im italienischen und französischen Stil komponierte, prägte er ganz wesentlich die Bildung von Geschmacksrichtungen seiner Zeit. Ab 1748 musizierte Telemann in neun Hamburger Kirchen, im Johanneum und im Waisenhaus. 16 Jahre leitet er die Hamburger Oper. Er war weniger ein „Vielschreiber“ denn ein Arbeitstier, ein kreativer Kopf ohne zu ermüden. Mit ihm verbindet sich die Erweiterung des Hamburger Laienmusiklebens durch die Herausgabe des musikalischen Journals, in dem Telemann Stücke für den Hausgebrauch veröffentlichte. Hier in Hamburg spezialisierte er die Lautmalerei, was ihm die Anerkennung als „musikalische Maler“ einbrachte. Nicht umsonst fand Telemann in Hamburg den  „Ort ,... wo die Musik gleichsam ihr Vaterland zu haben scheinet...“ In Magdeburg, seiner Vaterstadt, wird Telemann seit 1960 in das öffentliche Bewusstsein getragen und mit internationalen Festtagen gefeiert. Da haben die Hamburger spät einen Mann entdeckt, dem ihre Stadt soviel zu verdanken hat. Impuls durch Transfer von Magdeburg nach Hamburg, das darf beide Städte heute sehr wohl wieder verbinden. Telemann ist da nicht das einzige, wohl aber das berühmteste Magdeburger Beispiel. Das Buch erschien in der Reihe „Hamburger Köpfe“ – eine verdienstvolle Biographiensammlung, die von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius in Hamburg umfangreich gefördert wird. Der Ellert & Richter Verlag ist selbstredend ein Hamburger Mediengewächs und hat das Seinige zu einer empfehlenswerten Telemann-Biographie beigetragen. Mit einem Leineneinband, mit Schutzumschlag und stimmungsvoll gestaltetem Innentitel leistete der Verlag mit der Ausstattung solide Arbeit. Miniaturen, Kupferstiche, Notenblätter und Texthandschriften illustrieren den Band, bebildern nicht nur den Text sondern sind kulturgeschichtliche Informationsquelle. Stimmungsvoll kombinierte Ellert & Richter das Buch mit einer CD. Die Hörprobe in Telemanns Werk enthält u.a. die Motette Deus iudicium tuum sowie die malerische Kantate Alles redet itzt und singet mit dem Ensemble  „Das kleine Konzert“ unter der Leitung von Hermann Max, Telemann-Preisträger der Landeshauptstadt Magdeburg, 1998. Heike Kriewald