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Arbeitsgruppe im Jahr 2011

Die Geschichte einer Stadt ist vor allem die Geschichte der Menschen, die in ihr leben. Das „Magdeburger Biographische Lexikon des 19. und 20. Jahrhunderts“ (MBL) vereint rund 1800 Biografien von Magdeburgern, die für ihre Stadt etwas Herausragendes geleistet haben oder in der Welt berühmt geworden sind und somit ihrem Geburtsort alle Ehre machten. Wie erforscht man eine Biografie, wo sucht man und wo finden sich Spuren eines Lebens? Für diese Spurensuche bildete sich im Herbst 2007 eine Interessengruppe zur weiteren biografischen Forschung in Magdeburg. Als Kurs „Biografisches Forschen“ an der Städtischen Volkshochschule in Kooperation mit der Stadtbibliothek und dem Stadtarchiv wurden die Forschungsarbeiten am Magdeburger Biographischen Lexikon wieder aufgenommen bzw. fortgesetzt. Ab Juli 2008 ist diese Interessengruppe eine Arbeitsgruppe unter dem Dach des Geschichtsvereins für Magdeburg und Umland e.V. Aus den Forschungsergebnissen der Arbeitsgruppe entstehen biographische Forschungen zur Magdeburger und regionalen Geschichte, Artikel zu den Personen, die das Magdeburger Biografischen Lexikons im Internet erweitern und bereichern sollen. Die Arbeitsgruppe gibt ihren Mitgliedern und Interessenten Tipps zur Familiengeschichtsforschung, regt zur Auseinandersetzung mit Lebensgeschichten an und fördert die Fähigkeit, solche Geschichten aufzuschreiben.

Arbeitsergebnisse

Zur Arbeitsgruppe gehörten im Jahr 2011
  • 8 ständige Mitglieder, die sich zu insgesamt 10 monatlichen Terminen zum Forschungsaustausch trafen
  • sowie 4 weitere Mitglieder, die an Biografien arbeiten, aber aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen nicht an den Treffen teilnehmen konnten.
Zu den in diesem Jahr fertiggestellten 15 biografischen Artikeln gehörten u.a. der Maler und Grafiker Jochen Aue oder der Grafiker Rudolf Purke, der Journalist Gerhard Bader, der Lehrer und Domkustus Christian Ludwig Brandt, der Pädagoge und Stadtschulrat Max Franke, der Kaufmann und Stifter August Wilhelm Kahlenberg, die Architekten und Stadtplaner Friedrich Jacobs und Johannes Kramer. Von mehreren schon im Lexikon befindlichen Personen konnten Artikel um neue Erkenntnisse und Aktenfunde erweitert werden wie Otto Kobin oder Hans Otto, Martin Schwantes, Edmund Wodick oder Günter Bust. Vor allem Arbeiten wie diese zu Kahlenberg oder Franke zeigten, dass noch viel interessantes Aktenmaterial zu heben ist und das viel „Wenigwissen“ zu sehr verdienstvollen Personen existiert. Kahlenberg – das ist doch der mit dem Kahlenbergstift, ja, der liegt auf dem Westfriedhof. Da steht ein großes Gedenkstein. Nein, da liegt er eben nicht. Und der Gedenkstein hat mit unserem Kahlberg-Stifter gar nichts zu tun, auch mit der Familie des August Wilhelm Kahlenberg (1801-1883) nicht. Intensive Recherchen – auch in auswärtigen Archiven – haben das Geheimnis des Stifters letztlich preisgegeben. Eine spannende Reise in die Geschichte des 19. Jahhrunderts. Dass unser Kahlbergstift nun „abgebrannt“ und aus dem Stadtbild verschwunden ist, zeigt, wie wichtig es war, die Geschichte dieses Mannes und eines der frühen Stiftungsvereine zu erkunden. Das Wenige, was bisher dazu geschrieben wurde, erwies sich oft als falsch. Franke – gab es da nicht ein Frankeheim. Richtig. Der langjährige Schulrat Dr. Max Franke hat dem ersten modernen Jugendhaus in Magdeburg den Namen gegeben. Und hier waren nicht etwa elternlose Jugendlche untergebracht, sondern nach dem Vobild von Landschulheimen, Wanderheimen und Volkshochschulheimen, die nach 1918 begründet wurden, bot das Frankeheim bis zu 40 verschiedenen Jugendverbänden und Organisationen ein Dach. Es befand sich übrigens in der heutigen Erich-Weinert-Str. Zwei Beispiele, die zeigen, wie engagiert die Mitglieder der AG ihrer ehrenamtlichen Forschungsarbeit nachgehen, oft noch mit einem hauptamtlichen Beruf oder anderen Ehrenämtern. 28 der seit 2007 erforschten 44 Biografien und auch fertiggestellten Artikel sind erst im Portal www.lexikon.magdeburgica.de zu finden. Das ist allein immer noch der Tatsache geschuldet, dass das alte Portal des Magdeburger Biografischen Lexikons auf einer alten Software basiert, die nicht durch die AG selbst bedient werden kann. Der Leipziger Provider kann zwar die Kapazitäten zufriedenstellend bereit stellen, aber die Einarbeitung der Artikel, der Änderungen und Ergänzungen, die sich immer wieder ergeben, passiert nur sehr schleppend. Ein neues modernes Portal mit neuen Arbeits- und Nutzungsfunktionen ist dringend forderlich geworden. Dazu gibt es am 20. Dezember noch konkrete Gespräche. Damit kann auch bei diesem Thema etwas Findungserfolg vermeldet werden. Es scheint also jemand gefunden, der ein solches Portal bauen kann. Kosten sind zur Zeit noch nicht bekannt. 61 Biografien befinden sich zur Zeit in Bearbeitung. Viele davon sind kurz vor der Fertigstellung. 33 weitere Namen stehen zur Auswahl und harren ihrer Forscher. Diese beiden Listen wachsen ständig, weil neue Anregungen aus dem Kreis der AG kommen, wenn Mitglieder zufällig auf interessante Personen stoßen, die bisher noch nicht bekannt waren. Der Industrielle Robert Hohmann, der Künstler Maximillian Modde oder der Eisenbahnfotograf Walter Hollnagel gerieten so in den Kreis interessanter Persönlichkeiten für Magdeburg und werden bereits erforscht. Im Sommer führte eine Exkursion die AG-Mitglieder in den Altbestand der Stadtbibliothek. Die sehr fachkundige Führung durch die Leiterin des Bereiches, Frau Ilona Brditschke, verwies auf zahlreiche interessante Buch- und Zeitungsbestände, die für biografische und bibliografische Recherchieren sehr hilfreich sind. Diese Exkursion wurde ausgewertet und so kann auch den, neu zu den Forschungen Hinzukommenden, ein Handmaterial gereicht werden, das diese Bestände vorstellt. Zeitungsbeiträge oder Artikel für das Jahrbuch „Parthenopolis“ des Vereins sind auch 2011 entstanden. So wird die biografische Forschung zu den ersten vier Leitern der Volkshochschule Magdeburg – Reinhard Kohlrausch, Max Franke, Max Wilberg und Wolfang Seiferth – in einem Beitrag zur Gründungsgeschichte der Bildunsgeinrichtung im nächsten Parthenopolis publiziert. Mitstreiter sind übrigens immer willkommen. Die nächste Forschungsrunde tagt am 23. Februar 2012 in der Volkshochschule. Heike Heinrich, Leiterin der AG „Biografisches Forschen“